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FIfF-Kommunikation 1/2019 erschienen

Schwerpunkt FIfF-Konferenz 2018 in Berlin: Brave new World

FIfF-Kommunikation 1/2019

Im September fand in Berlin die FIfF-Konferenz 2018 statt. Brave new World – Gestaltungsfreiheiten und Machtmuster soziotechnischer Systeme war das Leitmotiv der Konferenz, für die wir eine Reihe hochkarätiger Referentinnen und Referenten für Vorträge und Workshops gewinnen konnten.

Die Organisatoren erläutern das Thema der Konferenz: „Viele Produkte, Entwicklungen und Einsatzfelder der Informatik scheinen sich unausweichlich und technisch notwendig so entwickelt zu haben, wie wir sie heute kennen. Doch es gibt immer verschiedene Wege, ein Problem anzugehen und entsprechend Ressourcen für dessen Lösung aufzuwenden. Oftmals liegen den tatsächlichen Entwicklungen gerade keine primär technischen Überlegungen zu Grunde, sondern ökonomische oder politische Motive. Wir wollen auch aktiv an aktuellen und zukünftigen tiefgreifenden Veränderungen mitwirken, denn die Informatik ist immer auch Gestaltungsdisziplin – weit über die reine Technik hinaus. Wir wollen Sichtweisen und konkrete Wege erarbeiten, auf welche Weise nicht-technische Werte wie demokratische Teilhabe, Freiheit und Selbstbestimmung, Pluralismus von Lebensentwürfen und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen genauso in technischen Systemen und den politischen Entscheidungen darüber Eingang finden, wie die Verhinderung verdeckter Machtzentren, die Bekämpfung von Diskriminierung und struktureller Benachteiligung, Privatisierung staatlicher Kernaufgaben.“ In mehreren Beiträgen wird die Entwicklung der Technik aus technischer, soziologischer und politischer Persepektive beleuchtet. Weitere Beiträge planen wir für die folgende Ausgabe 2/2019, die voraussichtlich im Juli 2019 erscheinen wird.

In diesem Jahr begehen wir ein Jubiläum: 70 Jahre Grundgesetz. Doch Dagmar Boedicker zieht dazu eine ernüchternde Bilanz: „Nach dem Großartigen Versprechen 1949“, so stellt sie fest, „haben wir Anlass, an der Verwirklichung nahezu aller Konzepte der vier Verfassungsmütter und 61 Verfassungsväter zu zweifeln: Der Gesetzgeber versäumt esseit Gründungszeiten des Internet, uns vor Datenkraken zu schützen, seien es Geheimdienste, IT-Monopolisten oder andere. Ganz im Gegenteil bedient er sich der allgegenwärtigen Technik, um die in zahllosen Gesetzen erlaubte heimliche Überwachung durchzuführen und zerstört unsere Erwartungen an eine weder dem Staat noch anderen zugängliche Privatsphäre.“ Mit dem Bundesverfassungsgericht fordert sie eine Überwachungsgesamtrechnung, die die Erforderlichkeit von neuen Befugnissen nachweist. In einem zweiten Beitrag, Leerstelle in der legislativen Praxis, bekräftigt und konkretisiert sie diese Forderung.

Die neue EU-Richtlinie zum Urheberrecht trieb in den letzten Wochen vor allem junge Menschen auf die Straße. Ein zeitgemäßes Urheberrecht wird von Vielen seit langem gefordert – was wir aber nun bekommen haben, ist eine Richtlinie, die mit Upload-Filtern Überwachung und Zensur Vorschub leistet und deren Nutzen für die eigentlichen Urheber – zugunsten der großen Verlage – weithin in Zweifel gezogen wird. Anna Biselli stellt in einem Beitrag, den wir aus netzpolitik.org übernehmen, die Vorgeschichte dieser Urheberrechtsreform dar.

Machine Learning und Künstliche Intelligenz sind Themen, die für das FIfF eine wachsende Bedeutung haben und voraussichtlich weiterhin haben werden. Unsere FIfF-Konferenz 2019 in Bremen wird sich im November unter dem Leitmotiv Künstliche Intelligenz als Wunderlanddamit auseinandersetzen. Für diese Ausgabe der FIfF-Kommunikation rezensiert Britta Schinzel ausführlich den Sammelband Machine Learning. Medien, Infrastrukturen und Technologien der Künstlichen Intelligenz.