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FIfF-Studienpreis erstmals verliehen

Arbeiten aus dem Gebiet Informatik und Gesellschaft ausgezeichnet

Das FIfF – Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. – hat im Rahmen seiner Jahrestagung vom 5. bis 7. November 2010 in Köln erstmals einen Studienpreis verliehen. Die Organisation zeichnet damit herausragende Arbeiten aus, die die Informatik mit ihren gesellschaftspolitischen Auswirkungen verbinden.

Forschung zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Informationstechnik ist für eine sozialverträgliche Technikgestaltung unverzichtbar. Aber gerade dort wirken sich die Sparzwänge an den Hochschulen besonders aus“, erläutert FIfF-Vorsitzender Stefan Hügel, der auch Mitglied der Auswahlkommission war. „Wir wollen mit unserem Studienpreis dazu beitragen, das Thema wieder auf die Agenda zu setzen.“

In einer Feierstunde wurde die juristische Arbeit „Anonymität im Internet – rechtliche und tatsächliche Rahmenbedingungen“, die von Dr. Phillip W. Brunst an der Universität Erlangen-Nürnberg verfasst wurde, mit dem ersten Preis ausgezeichnet. „Ist Politik wirklich stark, wenn sie maßlos reagiert und Grundrechte zugunsten einer (vermeintlichen) Sicherheit missachtet? Brunst gibt mit ausgeprägten Problembewusstsein Antwort auf diese Frage in einer Zivilgesellschaft“, so Prof. Dr. iur. Marie-Theres Tinnefeld, Mitglied des FIfF-Beirats und der Auswahlkommission, in ihrer Laudatio. „Die Dissertation zeigt, dass er neben einem umfassenden rechtlichen Wissen auch profunde Kenntnisse der Informations- und Kommunikationstechnologie besitzt“, begründete sie die Auswahl.

FIfF-Vorstandsmitglied Prof. Dr.-Ing. Dietrich Meyer-Ebrecht ergänzt: „Mit dem ersten Preis betont das FIfF den interdisziplinären Charakter der Ausschreibung und anerkennt die Ernsthaftigkeit, mit der die Arbeit einen gesellschaftskritischen Beitrag auf unserem Wirkungsfeld leistet.“

Die Auswahlkommission hat sich entschieden, den zweiten Preis an drei Arbeiten zu vergeben. Ein aktuelles Thema von hoher praktischer Relevanz hat Andrea Knaut (Humboldt Universität zu Berlin) untersucht: Biometrische Erkennungsverfahren bei Personenkontrollen an Nationalstaatengrenzen. Durch die Delegation der Identitätsfeststellung an vermeintlich objektive Maschinen wird die Verantwortung für weitgehende Entscheidungen abgegeben – bis hin zur Entscheidung über Menschenleben.

In seiner technisch geprägten Arbeit analysiert Michael Prinzinger (Universität Erlangen-Nürnberg) das Anonymisierungsverfahren „Phantom“ und untersucht die Auswirkungen von Anonymität auf die Gesellschaft unter sozialen und politischen Aspekten. Jens Jacobi (Studienseminar für Lehrämter an Schulen in Hamm) untersucht in seiner Arbeit die Behandlung des Datenschutzes im Schulunterricht. Seine Arbeit zeichnet sich durch die enge Verbindung von Fragestellungen der Informatik und der Praxis des Unterrichts aus. 

Stefan Hügel wertet die Preisvergabe als großen Erfolg: „Wir schaffen damit Aufmerksamkeit für ein Thema, dessen praktische Bedeutung kaum überschätzt werden kann. All zu häufig wird die Informatik auf ihre technischen Gesichtspunkte reduziert. Das ist einer der Gründe für das Scheitern vieler Projekte – mit allen wirtschaftlichen und sozialen Folgekosten.“

Das FIfF gratuliert der Preisträgerin und den Preisträgern herzlich und wird auch im nächsten Jahr wieder einen Studienpreis vergeben. Einreichungen dafür sind hochwillkommen.

Weitere Informationen: http://www.fiff.de/studienpreis