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TRUST - Wem kann ich trauen im Netz und warum?

FIfF-Konferenz 2017 am 20.-22. Oktober an der Universität Jena

Am kommenden Wochenende findet ab Freitag, 16:00 Uhr an der Universität Jena, Campus Ernst-Abbe-Platz, die FIfF-Konferenz 2017 (#FIfFKon17 / https://2017.fiffkon.de) statt. Die FIfF-Konferenz ist die jährliche Konferenz des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V.

Tagungsleiter Prof. Dr. Eberhard Zehendner erläutert das Tagungsmotto: „Vertrauen ist die Basis, auf der unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Wenn wir einander nicht mehr vertrauen können, funktioniert unser Zusammenleben nicht – das gilt auch im Netz. Wenn wir Dienste im Internet nutzen, müssen wir den Anbietern vertrauen können, dass sie die entsprechenden Leistungen erbringen und die Daten, die wir ihnen senden, verantwortungsvoll verwenden.“

„Doch das Vertrauen wird heute im Netz täglich verletzt, sowohl illegal als auch legal“ – darauf weist Stefan Hügel, Vorsitzender des FIfF, hin. „Wir müssen uns vor kriminellen Menschen schützen, die unser Vertrauen missbrauchen. Seit den Veröffentlichungen des Whistleblowers Edward Snowden wissen wir aber auch, dass Behörden unsere Kommunikation umfassend ausspähen. Formaljuristisch ist dies häufig scheinbar legal, verfassungsrechtlich bestehen aber erhebliche Zweifel, wie bereits mehrfach höchstrichterlich festgestellt wurde. Dazu kommt der Datenhunger der Diensteanbieter, die ihre Geschäftsmodelle auf der Nutzung der Daten aufbauen und dies zum Beispiel durch für den Laien unverständliche Nutzungsbedingungen formaljuristisch legalisieren. Dem soll mit dem neuen europäischen Datenschutzrecht gegengesteuert werden – doch inzwischen wissen wir, dass gerade die deutsche Bundesregierung massiv versucht, dieses Recht aufzuweichen und zu bremsen. Auch damit wird Vertrauen zerstört.“

Die FIfF-Konferenz will die Bedeutung des Vertrauens umfassend thematisieren. Tagungsleiter Eberhard Zehendner stellt das Tagungsprogramm dar: „Die Tagung ist in mehrere Blöcke aufgeteilt: Der Block ,Cyberpeace statt Cyberwar’ behandelt am Freitagabend die Risiken, die sich aus der zunehmenden Militarisierung des Netzes ergeben. Die Bundeswehr will ihre Aktivitäten im Netz erheblich ausweiten und dabei auch Angriffskapazitäten aufbauen. Eine besonders perfide Form des Cyberkriegs ist die Nutzung von Drohnen, die die Opfer Tag und Nacht ständiger Bedrohung aussetzt.“

Verlorenes Vertrauen kann durch ein besonderes Maß an IT-Sicherheit wiederhergestellt werden. „Am Samstagvormittag behandelt der Themenblock ,IT-Sicherheit’ den Zusammenhang zwischen Vertrauen und Sicherheit. Neben der Frage, ob Vertrauen und IT-Sicherheit im Gegensatz zueinander stehen, wird der Zusammenhang anhand der Beispiele Open-Source-Software und Spam betrachtet“, so Zehendner weiter.

,Medien und soziale Netzwerke’ ist der nächste Themenblock am Samstagnachmittag. „Thema von zwei Vorträgen ist die Nutzung von Medien für die zivile Sicherheit: Einerseits ein unabhängiges Radioaktivitätsmessnetz im Umkreis der belgischen Atomreaktoren Tihange und Doel, wo eine zivilgesellschaftliche Initiative zunächst in Aachen zur Selbsthilfe gegriffen hat, nachdem öffentliche Stellen dem in sie gesetzten Vertrauen nicht gerecht wurden. Andererseits die kompetente Nutzung von Daten aus sozialen Netzwerken durch Einrichtungen wie Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk, um schneller und effizienter Hilfe leisten zu können. Die Frage der Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Medien, die in letzter Zeit häufiger in Zweifel gezogen wurde, stellt und beantwortet Prof. Dr.-Ing. Gabriele Schade, vormals Vorsitzende (und derzeit stellvertretende Vorsitzende) des MDR-Rundfunkrats.“

Der letzte Block am Sonntag behandelt die Frage der ,Transparenz’. Tagungsleiter Zehendner: „Transparenz ist ein entscheidender Faktor, um Vertrauen zu gewinnen. Die Themen, die wir dabei behandeln, sind die IT-Sicherheit im besonders empfindlichen Gesundheitswesen, die Attribuierung von Cyberattacken und deren Interpretation in Medien und Politik, die Herausforderungen des Identitätsmanagements sowie Probleme und Perspektiven von Free-to-Play-Spielen.“

Ergänzt werden die Vorträge – wie gewohnt – durch eine Reihe von Workshops. Am Samstagabend werden wir auf das vergangene Jahr und die Aktivitäten des FIfF Rückschau halten und den diesjährigen FIfF-Studienpreis verleihen. Den Abschluss der Tagung bildet am Sonntag die Mitgliederversammlung mit der Neuwahl des FIfF-Vorstands.