FIfF-Kommunikation 4/2025
Big Tech und drumherum - Die Gier nach Macht und Geld
Cover der FIfF-Kommunikation
CC BY-ND FIfF e.V.
Wir leisten uns ein Wirtschaftssystem, das Menschen hervorbringt, deren Macht die vieler Staaten inzwischen deutlich übersteigt. Wir nennen sie Tech-Bros. Es sind Männer, die die technische Basis für autokratische Regierungen schaffen und so dabei mithelfen, Demokratien zu zerstören. Auch die deutsche Bundesregierung und Landesregierungen lassen sich dazu verleiten, sich in die Abhängigkeit dieser Tech-Bros zu begeben und damit – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – demokratische Strukturen zur Disposition zu stellen.
Dieses derzeit vielleicht größte gesellschaftliche Risiko durch Informatik-Systeme kann die FIfF-Kommunikation selbstverständlich nicht ignorieren – und so haben wir den Schwerpunkt dieser Ausgabe diesem Thema gewidmet: Big-Tech und drumherum – die Gier nach Macht und Geld. In zehn Beiträgen entfalten wir die Problematik aus unterschiedlichen Perspektiven. Es handelt sich dabei um einen umfassenden Umwandlungsprozess, der vorgeblich dem Fortschritt der Menschen, tatsächlich aber vor allem den Interessen Einzelner dient: „Akteure aus Politik und Wirtschaft treiben den Umwandlungsprozess voran, wobei allerdings der gesellschaftliche Fortschritt und das Wohl der Menschheit selten die Leitmotive sind, sondern viel eher Partikularinteressen, Geldgier, Machtstreben und Führungsanspruch einzelner Staaten, Unternehmen oder Personen“, so die Redaktion in ihrem Editorial zum Schwerpunkt.
Eine „Freiheit“, die für Einzelne fast uneingeschränkte Macht ermöglicht, zerstört die Demokratie und unsere gesellschaftlichen Grundlagen. Wir können uns diese Abart der „Freiheit“ nicht leisten. Eine erste Forderung gegen diese Zerstörung wäre stattdessen, De-facto-Monopole, wie sie beispielsweise Google bildet, zu zerschlagen. Diese Forderung wurde bereits vor längerer Zeit bei den BigBrotherAwards erhoben; eine Petition aus jüngerer Zeit drucken wir im Rahmen des Schwerpunkts dieser Ausgabe ab.
Ein weiterer Schritt wäre, die kommerziellen sozialen Netzwerke wie X, TikTok, Facebook, Instagram zu meiden und stattdessen auf das Fediverse zu setzen. Stellvertretend für die Idee des Fediverse wurde nun Mastodon mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Wir sagen „Herzlichen Glückwunsch“ allen Beteiligten; die Begründung der Jury ist in dieser Ausgabe nachzulesen.
„Soziale Netzwerke als demokratische Kraft retten“ fordert das Netzwerk Save Social und wendet sich damit ebenfalls gegen die Monopolisierung des Internet durch Big-Tech-Konzerne. Dieser Prozess werde durch generative Künstliche Intelligenz weiter verstärkt. Das Netzwerk fordert den Ausbau demokratiestärkender Angebote und den Verlust der Privilegien demokratieschädlicher Plattformen. Auch diese Petition dokumentieren wir in der vorliegenden Ausgabe.
Am 10. Oktober 2025 wurden zum 25. Mal die BigBrotherAwards verliehen. Auch dort waren Plattformmonopole und ihr Umgang mit persönlichen Daten ein großes Thema. Tragischerweise machen Institutionen des Staats hier munter mit – durch Deregulierung, durch Nutzung von Suchmaschinen und Analysewerkzeugen, vorgeblich zur Strafverfolgung, und durch fragwürdige Urteile im Arbeitsrecht, durch die die überwachung von Arbeitern und Angestellten abgesegnet wird. Wie in jedem Jahr sind Laudationes der BigBrotherAwards in dieser Ausgabe enthalten.
Ergänzend enthält die Ausgabe wieder ausgewählte Beiträge aus netzpolitik.org: Zum „Digitalen Omnibus“, mit dem unter anderem die KI-Verordnung, IT-Sicherheitsgesetze, der Data Act und die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) angepasst werden sollen.
„Statt den Datenschutz zu vereinfachen“, so netzpolitik.org, „schleift sie Grundrechte. Statt europäischen Unternehmen zu helfen, kommt sie Big Tech entgegen“, und: „Unter anderem sollen KI-Unternehmen eine Art Freifahrtschein für das Training ihrer Systeme mit personenbezogenen Daten erhalten. Die Kommission will klarstellen, dass Menschen hierfür nicht gefragt werden müssen, sondern lediglich über eine Widerspruchsmöglichkeit verfügen. Zudem sollen Regeln für gefährliche KI-Systeme aus dem AI Act aufgeschoben werden. Die wohl weitreichendste Änderung wäre eine Neudefinition dessen, was als personenbezogene Daten verstanden wird.“
Dazu kommt ein Interview zur Nutzung von Smartphones durch Kinder, Neues zur Totalüberwachung durch Chatkontrolle und zur Nutzung von digitalen Modellen von menschlichen Skelettenin der Strafverfolgung.
Zuletzt in eigener Sache: Seit einigen Wochen hat das FIfF eine neue Website mit der wir nicht nur unsere Arbeit von 42 Jahren sichtbar und durchsuchbar machen, sondern auch nachhaltige und gemeinwohlorientierte Best-Practice-Web-Technologie umsetzen. Zu verdanken ist dies vor allem der großartigen Arbeit von Benjamin Kees, der in seinem bereits online erschienenen Beitrag einen überblick über die Gestaltungsprinzipien und Inhalte gibt.
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